Orgeln im Bistum - Region Fulda
Lahrbach, alte Friedhofskirche



Vor ihrer Renovierung bot die historische Kirchner-Orgel der inmitten des Friedhofs stehenden alten Wehrkirche in Lahrbach einen traurigen Anblick: das Gehäuse war beschädigt, die meisten Pfeifen zerdrückt, aufgerissen oder verbogen, manche auch notdürftig geflickt, der Balg auf dem Dachboden funktionsuntüchtig, allgegenwärtig der Holzwurm, der das Windsystem schon so durchlöchtert hatte, dass die Orgel unter chronischem Windmangel litt.
Dennoch konnte man beim Spielen erahnen, dass das Instrument, das 1828 von Johannes Kirchner aus Euerdorf erbaut worden war, einmal einen schönen Klang besessen haben musste. Eine Bestandsaufnahme durch die Orgelbaufirma Förster & Nicolaus aus Lich bestätigte, dass von der ursprünglichen Substanz der Orgel das meiste noch vorhanden war und als historisch wertvoll und bedeutend eingestuft werden muss. Eingriffe in den letzten 170 Jahren wie beispielsweise Umbau der Manualwindlade, Neubau des Magazinbalges und Erneuerung der Gambe 8 durch den Orgelbauer Fritz Clewing aus Fulda im Jahre 1892 konnten wegen des Zeitpunktes und der Qualität ihrer Ausführung als gewachsener historischer Bestand angesehen werden. Nach Erstellung eines Leistungsverzeichnisses wurden die Restaurierungsarbeiten ausgeschrieben. Ende 2001 erhielt Firma Otto Hoffmann - Orgelbau aus Ostheim/Rhön den Auftrag. Davor hatten schon die Restaurierungsarbeiten an der alten Wehrkirche begonnen. Für alle Restaurierungsprojekte zeichnete zusammen mit der Bauabteilung und der Stabsstelle für Orgeln und Glocken des Bistums Fulda das Büro für Architektur und Denkmalpflege Müller & von Soden verantwortlich. Aufgrund des hohen Denkmalwertes beteiligten sich an der Finanzierung der Orgelrestaurierung dankenswerterweise auch die Sparkassenkulturstiftung Hessen-Thüringen und das Denkmalamt des Landes Hessen, vertreten durch Herrn Dr. Wurzel bzw. Herrn Buchstab (Marburg).
Heute lässt sich feststellen, dass sich die Restaurierungsmaßnahmen unbedingt gelohnt haben. Der größte Teil der vorhandenen Substanz konnte erhalten werden, einige wenige Teile waren allerdings durch den Wurmbefall so zerstört, dass sie ersetzt oder ergänzt werden mussten. Das Instrument verfügt über farbenreiche Register und einen frischen angenehmen Gesamtklang, die Manualtraktur spielt sich sehr gut, solide handwerkliche Arbeit rundet zusammen mit dem äußeren Erscheinungsbild den erfreulichen Eindruck ab: Ein schönes Instrument in einer beeindruckenden, sehr alten (1607 - 1616 erbauten) Kirche.
Christopher Löbens



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